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Restaurantbetrieb

Mehrwertsteuer in Deutschland, 7 gegen 19 Prozent nach dem Wachstumschancengesetz

Mehrwertsteuer Gastronomie: 7 oder 19 Prozent, die Voraussetzungen nach dem Wachstumschancengesetz und die Folgen für Kalkulation und Preise im Betrieb.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Für zubereitete Speisen in der Gastronomie gilt 7 Prozent Umsatzsteuer, für Getränke 19 Prozent.
  • Das Wachstumschancengesetz hat den ermäßigten Satz für Speisen dauerhaft festgeschrieben, ohne neue Befristung.
  • Voraussetzung bleibtDie Speise wird zubereitet und zum Verzehr an Ort und Stelle abgegeben.
  • Übernachtungen liegen bei 7 Prozent, Frühstück und Minibar bei 19 Prozent.
  • Falsch gebuchte Steuersätze führen bei der Betriebsprüfung zu Nachforderungen und Zinsen.

Was das Wachstumschancengesetz geändert hat

Der ermäßigte Satz für Speisen war seit Juli 2020 befristet und musste jährlich verlängert werden. Das Wachstumschancengesetz hat die Befristung aufgehoben und 7 Prozent für Speisen zu Dauerrecht gemacht.

Für Getränke hat sich nichts geändert. Sie bleiben beim Regelsteuersatz von 19 Prozent. Wer beides verkauft, arbeitet weiter mit zwei Steuerschlüsseln.

Grundlage sind § 12 Absatz 1 UStG für den Regelsteuersatz und die Anlage 2 zum UStG für die begünstigten Umsätze. Der amtliche Volltext steht in der Gesetzesübersicht Gesetze im Internet.

Aktuelle Einordnungen zu Steuerrecht und Mittelstand veröffentlicht der DIHK im Newsletter Steuern Finanzen Mittelstand.

Die beiden Steuersätze im Vergleich

Die folgende Übersicht ordnet die typischen Fälle des Tagesgeschäfts.

Steuersatz

Zubereitete Speise im Restaurant
7 Prozent
Getränk, auch alkoholfrei
19 Prozent
Übernachtung
7 Prozent
Frühstück, Minibar
19 Prozent
Abholung und Lieferung von Speisen
7 Prozent bei reiner Lieferung

Hinweis für die Rechnung

Zubereitete Speise im Restaurant
Position mit 7 Prozent ausweisen
Getränk, auch alkoholfrei
Position mit 19 Prozent ausweisen
Übernachtung
Logisanteil getrennt zeigen
Frühstück, Minibar
im Pauschalpreis herausrechnen
Abholung und Lieferung von Speisen
Einzelfall prüfen und dokumentieren

7 vs 19 Prozent

Speisen

Steuersatz
7 Prozent
Beispiel
Schnitzel mit Beilage
Espresso am Tisch
Bruttopreis bei 10 Euro netto
10,70 Euro
Rechtsgrundlage
Anlage 2 UStG

Getränke

Steuersatz
19 Prozent
Beispiel
Glas Cola
Espresso am Tisch
Getränk
Bruttopreis bei 10 Euro netto
11,90 Euro
Rechtsgrundlage
§ 12 Absatz 1 UStG

Welche Voraussetzungen der ermäßigte Satz verlangt

Der ermäßigte Satz hängt an der einzelnen Leistung, nicht am Betrieb. Er greift, wenn die Speise im Betrieb zubereitet und zum alsbaldigen Verzehr abgegeben wird. Ein abgepackter Riegel an der Theke erfüllt das nicht.

Getränke sind von der Ermäßigung ausgenommen, auch wenn sie im Haus serviert werden. Ein Espresso am Tisch bleibt ein Getränk mit 19 Prozent.

Grenzfälle sind Suppen, Smoothies, Latte und Eiskaffee. Entscheidend ist die Zusammensetzung, nicht der Name auf der Karte. Rezepturen und Wareneinsatz sollten deshalb schriftlich festgehalten werden.

Hotelübernachtung, Frühstück und Menüs aufteilen

Auf Hotelrechnungen werden drei Bereiche getrennt: Logis mit 7 Prozent, Speisen mit 7 Prozent, Getränke mit 19 Prozent. Ein Pauschalpreis für Übernachtung mit Frühstück ist nur zulässig, wenn der Frühstücksanteil herausgerechnet wird.

Für die Aufteilung akzeptiert die Finanzverwaltung übliche Maßstäbe, etwa den Wareneinsatz des Frühstücks oder einen marktüblichen Anteil am Zimmerpreis. Der gewählte Maßstab muss dokumentiert sein.

Gleiches gilt für Menüs und Kombiangebote: Hauptgang und Getränk werden getrennt erfasst und mit beiden Sätzen abgerechnet.

Beispielrechnung

Beispielrechnung als konstruierter Fall: Ein Getränk mit 10,00 Euro netto kostet brutto 11,90 Euro, eine Speise mit 10,00 Euro netto brutto 10,70 Euro. Die Differenz von 1,20 Euro je Einheit ist der Kalkulationsspielraum.

Kassensystem und Rechnung prüfen

Die Umsetzung beginnt an der Kasse. Jede Buchung braucht den richtigen Steuerschlüssel, sonst stimmt die Umsatzsteuer-Voranmeldung nicht. Getränke in der Warengruppe Speisen erzeugen Fehler in Serie.

  1. Warengruppen anlegen und jeder Gruppe einen Steuerschlüssel zuweisen.
  2. Artikel einzeln prüfen und der richtigen Warengruppe zuordnen.
  3. Menüs und Kombiangebote mit Aufteilung hinterlegen.
  4. Testbuchungen durchführen und den Tagesabschluss kontrollieren.
  5. Technische Sicherheitseinrichtung und Zertifizierung dokumentieren.

Kasseneinrichtung in fünf Schritten

  1. Warengruppen anlegen und Steuerschlüssel zuweisen
  2. Artikel prüfen und Warengruppe zuordnen
  3. Menüs mit Aufteilung hinterlegen
  4. Testbuchungen und Tagesabschluss kontrollieren
  5. Zertifizierung und TSE-Konformität dokumentieren

Jede Rechnung zeigt den Steuersatz je Position. Bewirtungsbelege brauchen zusätzlich Anlass und Teilnehmer, Hotelrechnungen den getrennten Ausweis von Logis und Frühstück.

Häufige Fragen

Gilt der ermäßigte Satz auch für Speisen zum Mitnehmen?

Bei einer reinen Lieferung von Speisen greift in der Regel der ermäßigte Satz. Kommen Bedienung oder Verzehrvorrichtungen hinzu, ist die Einordnung im Einzelfall zu prüfen.

Wie lange gilt der ermäßigte Satz für Speisen?

Er ist durch das Wachstumschancengesetz dauerhaft festgeschrieben und nicht mehr befristet.

Wie rechne ich ein Menü mit Getränk ab?

Hauptgang und Getränk werden als getrennte Positionen mit 7 und 19 Prozent erfasst, eine pauschale Zuordnung ist zu vermeiden.

Was passiert bei falschem Steuersatz?

Das Finanzamt fordert die Differenz nach, dazu kommen Zinsen. Bei der Betriebsprüfung muss der Betrieb die Zuordnung belegen.

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